Lettre ouverte publiée au Lëtzebuerger Journal le 22 avril 2010
Mein lieber Freund Gusty
In deinem letzten Zwischenruf hast Du die Gehälterreform der Regierung kommentiert und gleichzeitig den Redakteuren, sozusagen ins Poesiealbum geschrieben, dass die Beamten der mittleren Laufbahn nun doch bitte zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Bachelorabsolventen immerhin einen akademischen Abschluss vorweisen können und dementsprechend Anrecht auf eine höhere Besoldung haben. Treffend merkst Du an, dass besonders die Redakteure in der Vergangenheit gegen diese Neuerung (Einführung einer Bachelorlaufbahn) Sturm gelaufen sind.
In Anbetracht dessen komme ich dieses Mal nicht umhin, Dir, lieber Freund und alter Redakteur aus der mittleren Laufbahn, auch einen kleinen Zwischenruf zurückzuflüstern. Da Du dich in letzter Zeit des Öfteren mit den Beamten aus unserer Laufbahn beschäftigt hast, möchte ich Dir und den geneigten Lesern den Standpunkt der Association Générale des Cadres (AGC) zu diesem Thema kurz darlegen. Wie Du mir als angehender Historiker sicher zustimmen wirst, bedarf es zum besseren Verständnis eines kleinen historischen Rückblickes.
Bereits seit 1978 fordert die AGC das Anheben des Grundstudiums um 2 Jahre (Bac +2) später 3 Jahre (Bachelor) um Beamter der mittleren Laufbahn werden zu können. Sie begründet dies mit den gestiegenen Anforderungen an die Redakteure (komplexere internationale und nationale Gesetzgebungen usw.) und mit dem stetigen Anheben des Grundstudiums von vergleichbaren Laufbahnen. Diese Forderung wurde jedoch bis heute von allen amtierenden Regierungen ignoriert.
Während der Ausarbeitungsphase des Gesetzentwurfes zur neuen Universität Luxemburg, schlug die AGC vor, ein „Institut Supérieur d´Administration et de Gestion“ zu schaffen, welches ebenso wie andere bestehende postsekundäre Hochschulen (ISERP, IST, CunLux und IEES) es einem Abiturienten erlauben würde in einem zweijährigem Vollstudium in den Grundbereichen Wirtschaft, Recht, Rechnungswesen und öffentliche Finanzen einen Abschluss zu erhalten welcher es ihm erlauben würde die Laufbahn des administrativen Redakteurs einzuschlagen.
Nachdem Luxemburg sich dem Bologna-Prozess verschrieben hat, fordert die aktuelle Exekutive der AGC bis heute, dass ein angehender Kandidat zur mittleren Laufbahn bei Staat oder Gemeinde einen Bachelorabschluss vorweisen können muss. Zu den ursprünglichen Argumenten zu dieser Anhebung des Grundstudiums gesellte sich im Laufe der Zeit die Tatsache, dass, bedingt durch das aktuelle Schulsystem, viele Bewerber mit Abitur durch Bewerber mit weitaus höherer Schulbildung im Staatsexamen für Anwärter der mittleren Laufbahn verdrängt werden. Die Abiturienten ihrerseits drängen deswegen vermehrt in die Laufbahn des Expedienten.
Durch die Forderung der AGC, das Bachelordiplom als Zugang zur mittleren Laufbahn festzulegen, bei gleichbleibender Laufbahnentwicklung (Grade 7-13), würde bei einer Gehälterrevision keine Einführung einer neuen Laufbahn nötig werden und eine bereits seit längerem bestehende Realität gesetzlich angepasst. Des Weiteren wäre dies eine kostenneutrale Lösung für die Arbeitgeber Staat respektive Gemeinde und das Gehältergefüge der Beamten würde nicht zerrüttet. Es wäre ebenfalls im Einklang mit den Forderungen der Expedienten, welche das Abitur oder ein Äquivalent für ihre Laufbahn als Grundstudium fordern. Bei politischem Bedarf könnte ohne Probleme eine neue Laufbahn (mit 5 Jahren Sekundarstudium) am unteren Ende der administrativen Laufbahnen eingeführt werden.
Da jedoch die Regierung letztes Jahr einer vergleichbaren Laufbahn eine Erhöhung bis zum vergleichbarem Grad 14 zugestanden hat, fordert die AGC selbstverständlich, zusätzlich zu ihren vorerwähnten Forderungen, dass zukünftige Redakteure mit Bachelorabschluss auch in den Genuss dieser Besoldungsstufe kommen müssen, also ganz in deinem Sinne, lieber Freund.
Alle Einzelheiten zu diesen Ausführungen kann man jederzeit auf der Internetseite der AGC (www.agc.lu) nachlesen. Am Ende dieser kurzen Erklärungen und in der Hoffnung, dass Du, lieber Freund Gusty, auch als angehender Akademiker deine alten Kollegen aus der mittleren Laufbahn unterstützen wirst, schließe ich mit einem Zitat von Laozi, einem legendären chinesischen Denker, welches die Lage der Laufbahn des Redakteurs trefflich beschreibt: „Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Hört man damit auf, treibt man zurück.“
Claude Stephany
Mitglied der AGC-Exekutive seit 2000